Zahltag

Posted by on Sep 3, 2014 in Firlefanz | No Comments

Herr P. aus G. kam von der Beerdigung seiner Tante nach Hause. Zuerst war sein Onkel verstorben. Keine vier Monate später endlich auch seine Tante. Es waren vier harte Monate gewesen. Er hatte wie gewohnt die anfallenden Arbeiten im Haushalt erledigt. Seit er über die Kontovollmacht verfügte, zahlte er sich einen Stundenlohn. Doch Herr P. hielt es für besser, niemandem etwas davon zu erzählen. Die Tante hatte schlechte Augen, der Onkel war zu diesem Zeitpunkt schon dement. Auch, dass er zusammen mit seiner Frau bereits einige antike Möbel aus dem Haus geschafft hatte, behielt er für sich: besser keine schlafenden Hunde wecken.

In zwei Tagen war die Testamentseröffnung und darauf freute er sich.

Am Morgen des großen Tages frühstückte er in Ruhe mit seiner Frau. Dann machten sie sich auf den Weg zum Anwalt. Die restliche Verwandtschaft wartete schon. Dass es alle immer so eilig hatten, wenn es etwas zum Verteilen gab, das war ihm zuwider. Herr P. blickte unaufgeregt in die Runde, er wusste was ihn erwartet.

Keine Stunde später war es vorbei. Vorbei mit den guten Gedanken, vorbei mit dem höflichen Geplänkel, vorbei mit dem so greifbar gewesenen Traum.

Aber eines wusste er: mit seinem Bruder, diesem unehrlichen Erbschleicher würde er nie wieder ein Wort wechseln.